22
Dez

Mehr als nur Kochzutat

Sei es der schlechte Atem, den Knoblauch auslöst, oder das Bild von vampirabwehrenden Knoblauchketten – Knoblauch war und ist noch immer beliebter Gesprächsstoff. Während ihn einige für einen elementaren Bestandteil von vielen Gerichten halten, versuchen andere wiederum, ihn möglichst zu vermeiden. Knoblauch vermag es, die Welt in zwei zu teilen. Sehr oft jedoch ist das Wissen um den Gebrauch von Knoblauch auf die Küche beschränkt. Allerdings gibt es mindestens zwei weitere Bereiche, wo Knoblauch eine wichtige Rolle spielen kann. Dieser Artikel widmet sich deshalb diesen Anwendungsmöglichkeiten und lässt die Frage, ob das Leben mehr mit oder ohne Knoblauch stinkt (Garlic Quotes), ausser Acht.

„Iss keinen Knoblauch oder Zwiebeln, weil ihr Geruch offenbaren wird, dass du ein Bauer bist“ (Garlic Quotes). Dieses Zitat stammt vom Anfang des 17. Jahrhunderts und spricht in einer herablassenden Weise über den Beruf des Bauerns. Spätestens heutzutage ist aber, speziell im Bereich der Biolandwirtschaft, eine neue Interpretation dieses Zitats nötig. Ein Bauer oder eine Bäuerin, die nach Knoblauch riecht, ist nämlich besonders clever, da er oder sie den Nutzen von Knoblauch in der Landwirtschaft erkann that. Knoblauch ist nämlich, wie auch der Niem-Baum (siehe letzter Artikel dieser Reihe), ein natürliches Insektenschutzmittel. Sein starker Duft wird nicht nur von einigen Menschen als abstossend empfunden, sondern auch von Insekten. SATs „Rezept“ für das biologische Insektizid ist simpel aber effektiv: drei Knoblauchknollen pro 10 Liter Wasser werden zerstossen und mit anderen natürlichen Zutaten, wie Niemblättern und Chili, vermischt. Benutzt man kaltes Wasser, muss die Mischung für ungefähr zwei Wochen ruhen. Mit warmem Wasser beschleunigt sich dieser Prozess etwas. Nach dem Filtern wird das Insektizid regelmässig auf den Feldern angewendet. Insekten, darunter auch die Weisse Fliege, werden durch den starken Duft vertrieben. Bauern und Bäuerinnen, die Knoblauch in ihren Gärten anbauen, verfügen also nicht nur über ein wichtiges Cash Crop (Knoblauch erzielt auf dem Markt einen hohen Preis), sondern produzieren gleichzeitig auch ihre eigenen, biologischen Pestizide.

Ebenfalls nicht zu vergessen sind die medizinischen Wirkungen von Knoblauch. Er wurde von verschiedenen Kulturen rund um die Welt über Jahrtausende als natürliche Medizin verwendet. Beispielsweise soll Knoblauch in den ersten Olympischen Spielen im Antiken Griechenland Athleten als leistungssteigernder Wirkstoff verabreicht worden sein (Rivlin 2001). Interessanterweise sind verschiedene Kulturen, die sich weitgehend unabhängig voneinander entwickelt haben, zu sehr ähnlichen Schlussfolgerungen gekommen, was den Gebrauch von Knoblauch in der Behandlung von Krankheiten betrifft (Rivlin 2001). Aber erst eine jüngste Steigerung der Popularität von alternativer Medizin und natürlichen Produkten hat das Interesse an Knoblauch und seinen Derivaten als potentielle natürliche Heilmittel erneut geweckt (Bayan 2014). Unter anderem unterstützt die wissenschaftliche Literatur die Annahme, dass Knoblauch effektiv ist um Bluthochdruck zu senken und Atherosklerose vorzubeugen. Knoblauch ist also nützlich, um Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorzubeugen und zu behandeln (Bayan 2014). Ebenfalls kann Knoblauch verwendet werden, um Infektionskrankheiten wie Erkältungen und Candida zu bekämpfen und dient als Booster für das Immunsystem (Hirt 2001). Dies sollte Grund genug sein, um regelmässig Knoblauch zu konsumieren, speziell in seiner rohen Form. Ausserdem kann daraus medizinischer Knoblauch-Honig, Öl oder Tinkturen hergestellt werden, die alle verwendet werden, um obengenannte Krankheiten und Infektionen zu behandeln oder zu lindern.

Es scheint also gewinnbringend für KleinbäuerInnen in Tansania, aber auch Leute die Urbane Landwirtschaft betreiben, zu sein, ihre Produktion um den Anbau von Knoblauch zu ergänzen, ganz egal ob man nun den Geschmack von ihm im Essen mag oder nicht. Er ist Medizin, Pestizid und profitabler Cash Crop in einem und kann dadurch Unabhängigkeit fördern!

Referenzen:

Bayan Leyla, Peir Hossain Koulivand and Ali Gorji (2014). http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4103721/ (19.08.2016).

Garlic Quotes, http://www.torontogarlicfestival.ca/garlic-quotes/ (19.08.2016).

Hirt Hans Martin und Bindanda M’Pia, Natural Medicine in the Tropics, Winnenden 2001.

Rivlin Richard S. (2001). Historical Perspective on the use of Garlic, http://jn.nutrition.org/content/131/3/951S.long (19.08.2016).

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