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Apr

Synthetisch ? Noch nie gehört.

Dass die Umstellung auf biologische Landwirtschaft nicht immer in erster Linie das Weglassen von synthetischen Spritzmitteln bedeutet, das zeigt uns die Bauerngruppe aus Kenge. Trotzdem hat die Umstellung für sie aber bereits nach einem Jahr so einige Veränderungen mit sich gebracht. Aber alles der Reihe nach. Es stellen sich nämlich so einige Fragen, wenn man erfährt, dass auf den Feldern dieser Bäuerinnen und Bauern noch nie synthetische Pflanzenschutzmittel zum Einsatz gekommen sind. Weshalb ist das so? Worin liegt dann noch der Unterschied zur biologischen Landwirtschaft? Diesen und weiteren Fragen sind wir auf die Spur gegangen.

K-3
Um zu verstehen, wie die Bäuerinnen und Bauern aus Kenge ihre Felder vor jeglicher Synthetik enthalten haben, kann uns die Lage des Dorfes einen ersten Ansatzpunkt geben: Kenge liegt versteckt, hoch oben in den Uluguru-Bergen. Mit einem motorisierten Fahrzeug hat man keine Chance und auch zu Fuss stellt der Aufstieg eine Herausforderung dar ,die durch die Hitze nur noch verstärkt wird. Man muss schon einen ganzen Tag einrechnen, um das Dorf Kenge von Morogoro aus zu erreichen, zuerst mit dem Motorrad über unwegsames Gelände, dann zu Fuss den Berg hinauf – und natürlich das gleiche nochmals auf dem Rückweg, dann hingegen abwärts. Dies mag auch der Grund sein, warum Vertreter von grossen Herbizid-Konzernen dieses Dorf bisher nicht erreicht haben und dessen Felder somit frei von synthetischen Herbiziden und Pestiziden geblieben sind. Auch die relativ hohen Kosten dieser Produkte dürften ihren Teil dazu beigetragen haben, dass die Bäuerinnen und Bauern solche Mittel nicht selbst erstanden haben.

Die Ausbilder von SAT haben allerdings den anstrengenden Aufstieg nicht K-1gescheut und die neu formierte Gruppe, bestehend aus 27 Mitgliedern, regelmässig besucht und mit ihnen gemeinsam einen Demonstrationsgarten angelegt. Als zentraler Unterschiede zu ihrem vorherigen System nennen die Bäuerinnen und Bauern dabei insbesondere vier Punkte: „Wir haben durch die Kurse bei SAT gelernt, Kompost herzustellen und diesen als natürlichen Dünger zu verwenden“. Zudem hätte sich das Spektrum an angebauten Produkten stark vergrössert: Nicht nur Mais, Bananen und Cassava (Maniok) wachsen nun auf den Feldern, sondern auch zahlreiche gartenwirtschaftliche Erzeugnisse, darunter Chinakohl, Tomaten, Gurken und vieles mehr. Neben der Erweiterung ihrer angebauten Pflanzen, konnten sie auch eine Steigerung des Ertrags feststellen. Zu diesem Erfolg beigetragen hätte auch die Integration des „Buffer Zone-Prinzips“. Dabei werden bewusst Teile des Ackerlandes nicht mit Saat bepflanzt. Der Natur wird somit Platz gegeben, sich in ihrer natürlichen Vegetation zu entfalten. Diese Stellen können Nützlings-Populationen beheimaten, die bei der Schädlingskontrolle eine zentrale Rolle einnehmen. „Die Buffer-Zones bieten unseren Feldern zudem Schutz vor Wind- und Wassererosion“ erzählt eine Bäuerin. Grund genug für die Gruppe aus Kenge, dieses neue System zu implementieren.

Durch den Mehrertrag der Ernte verzeichnete die Gruppe auch eine Steigerung des Einkommens, was durch die höheren Preise für biologische Lebensmittel noch verstärkt wurde. Was sie damit anstellen wollen, das hat die Gruppe auch bereits entschieden. Wieder bedingt durch die abgelegene Lage des Dorfes, haben sie begonnen, eine Duka la dawa (Apotheke) aufzubauen. „Von der nächsten medizinischen Einrichtung ist Kenge zu Fuss nämlich stundenweit entfernt und gerade für die älteren Bewohner des Dorfes ist der Marsch dorthin eine grosse körperliche Herausforderung“ beschreibt eine Bäuerin dieses Problem. Auch erzählen die Bäuerinnen und Bauern, dass sie durch die Umstellung auf biologische Produktion eine Verminderung der vorherrschenden Armut feststellen können.

Wie das Beispiel der Gruppe Kenge zeigt, ist biologische Landwirtschaft also nicht nur der Gegenpol zu Synthetik. Sie ist auch Innovation, Mut zur Veränderung und vor allem das Streben nach verbesserten Lebensbedingungen.

K-2

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